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Chiemgau/Chiemsee


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Das Gebiet der Karte

Der Chiemgau ist eine Landschaft ohne feste Abgrenzung im oberbayerischen Alpenvorland. Kerngebiet ist der namengebende Chiemsee und sein Umland. Allgemein rechnet man zum Chiemgau das Gebiet zwischen Inn im Westen und Traun im Osten und zwischen der Linie Wasserburg-Trostberg im Norden sowie der bayerisch-österreichischen Grenze im Süden. Dieses Gebiet hat eine Ausdehnung von jeweils etwa 50 km in Nord-Süd- sowie in West-Ost-Richtung. Der Chiemgau greift über die Areale zweier Landkreise, und zwar Traunstein im Osten und Rosenheim im Westen, ohne beide Kreise voll einzunehmen. Der Salzachgau, der Rupertigau (Berchtesgadener Land) sowie die Innlandschaft sind gleichzeitig Einfallstore und Randgebiete des Chiemgaus. Großräumig liegt der Chiemgau zwischen den Städten München und Salzburg und ist mit diesen sowohl durch eine lntercity-Bahnlinie als auch durch eine Autobahn, die beide den Chiemgau durchqueren, verbunden und deshalb verkehrsmäßig bestens erschlossen.

Wenn man sich die Entstehung der Landschaft durch die Gletscher der letzten Eiszeiten verdeutlicht, wird verständlich, dass der Chiemsee und das Umland eine landschaftliche Einheit bildet. Annähernd der gesamte Chiemgau wurde nämlich von dem verhältnismäßig kleinen Chiemseegletscher eingenommen. Dieser schuf als Zungenbecken den Chiemsee, der nach Ende der Eiszeiten etwa viermal so groß war, wie die vielen Moore und Verlandungszonen, besonders im Süden des Sees erkennen lassen. Der Chiemseegletscher wurde von den mächtigeren und weiter ins Vorland stoßenden Gletschern des Inns und der Salzach — diese hatten auch ein ungleich größeres Einzugsgebiet — regelrecht in die Zange genommen. Die Folge war, dass der Chiemseegletscher vor allem an seinen Flanken stark gebremst wurde und sein Geschiebe auf engem Raum ablagern musste. Dazu kam, dass am Ende der Eiszeiten in diesen Randzonen Gletschereismassen isoliert liegen blieben (Toteis), nach ihrem Abschmelzen Hohlformen hinterließen, die sich später mit Wasser füllten. Die Eggstätt-Hemhofer Seenplatte und die Seeoner Seenplatte sind Beispiele der daraus entstandenen, kleinräumig gegliederten, seenreichen Landschaft. Ähnlich gestaltet ist die gesamte Umgebung des Chiemsees, mit Ausnahme des Südens und dessen moorreichen Verlandungszonen. Diesen Ebenen entragen lediglich einige Molassehügel (Ablagerungen aus der Zeit der Alpenentstehung), die in historischer Zeit, als der Chiemsee noch eine größere Ausdehnung hatte, sichere Siedlungsgebiete bildeten (z. B. Westerbuchberg). Weiter südlich steigen die Alpen fast unvermittelt zu den Höhen der Kalkalpen auf (höchster Berg des Chiemgaus: Sonntagshorn, 1961 m). Die mittelgebirgsartigen Vorberge, die sonst für den bayerischen Alpenraum typisch sind, fehlen hier fast völlig, bzw. sind nur an den Rändern, am Samerberg und südlich von Siegsdorf andeutungsweise vorhanden.

Der Chiemsee hat derzeit eine Fläche von 80 km2 und eine maximale Tiefe von 73 m. Die Verlandung schreitet aber besonders durch die Geschiebefracht der Tiroler Achen weiter fort. Die weitere Absenkung des Seespiegels durch Eintiefung des Abflusses Alz lässt sich nur durch Kunstbauten verhindern.

Der Chiemgau altes Siedlungsland. Die Spuren lassen sich vor der jüngeren Steinzeit über Bronze und Hallstattzeit bis zur Eisenzeit verfolgen. Die siedelnden Kelten kamen am Ende der Eiszeit unter den Einfluss der Römerherrschaft die fast 500 Jahre bis etwa 480 n. Chr. andauerte. Der Übergang über die Alz bei Seebruck war das befestigte Bedaium an der Straße, die von Juvavum (Salzburg) nach Augusta Vindelicorum (Augsburg) führte, also aus der Provinz Noricum die bis zum Inn reichte, in die Provinz Raetien. Reste der römischen Steinbauten sind in Seebruck und Holzhausen (nördlich der Autobahn) zu besichtigen.

Nach Abzug der Römer kam der Chiemgau unter den Einfluss der bayerischen Herzöge und der Salzburger Bischöfe. Die Christianisierung begann. In der Zeit des fränkischen Königtums unter Karl dem Großen (768—814) ist bereits der Name Chiemgau als »Chimigaoe" belegt. Mit den Ungarneinfällen im 10. Jh. und Zerstörung der Klöster begann eine unruhige Zeit. Zur Blüte kam es dann erst unter den Wittelsbachern, die sich das Land aber mit den Fürsterzbischöfen von Salzburg teilen mussten. Erst nach der Säkularisation (1803) kam der Chiemgau vollständig in bayerische Hand. Der Einfluss Salzburgs ist auch heute noch an Elementen der Sprache, der Kultur (Zwiebeltürme der Kirchen) und der Mentalität der Menschen feststellbar.

Der Chiemgau ist auch eine traditionsreiche Kulturlandschaft. Hügelgräber und Ringwallanlagen bilden neben Funden von Schmuck und Geräten die Zeugnisse der vorgeschichtlichen Zeit. Die Steinbauten der Römer haben sich wenigstens als Grundmauern erhalten. Die Zeugnisse der späteren kulturellen Entwicklung — von denen viele eine Reise lohnen -— beginnen mit dem Torbau des Klosters auf der Fraueninsel, einer vorromanischen, karolingischen Anlage, die zu den wenigen Zeugnissen dieser Zeit gehört. Romanisch sind ein Kruzifixus von Einharting und die "Ruhpoldinger Madonna"; daneben viele Grund- und Umfassungsmauern von später allerdings veränderten Kirchen. Bedeutende Werke der Gotik finden sich als Wandmalereien in der Kirche von Urschalling (bei Prien), in der Streichenkirche (bei Schleching), in der Kirche von Sondermoning (bei Chieming) und in der Kirche am Westerbuchberg (bei Übersee). Die Zeit des Barocks und Rokoko zeigt durch die vielen Neu- und Umbauten der Kirchen eine neue Zeit der Blüte an. Besonders hervorhebenswerte Beispiele sind die Pfarrkirche in Ruhpolding (Johann Baptist Gunetzrhainer), Grassau, Prien (Johann Baptist Zimmermann) und Vachendorf. Das 19. Jahrhundert brachte schließlich durch die Idee König Ludwig II., auf Herrenchiemsee ein bayerisches Versailles zu errichten, das in der Welt bekannteste Monument des Chiemgaus zustande, obwohl nur ein Flügel der vorgesehenen Anlage vollendet wurde.

Sehenswert sind auch viele andere profane Bauten. Unter den bäuerlichen Anwesen fallen zwei Bauformen besonders auf. Es sind einerseits die reichverzierten Bundwerkstadel, die von perfekter Zimmermannsarbeit zeugen (z.B. in Siedenberg bei Chieming) und andererseits einige besonders große aus Stein gebaute Bauernhöfe, deren Gemeinsamkeit in der höheren Stockwerkzahl und in den Rundbogenfenstern bestehen. Diese im Volksmund "Itakerhöfe" genannten Gebäude wurden vermutlich von italienischen Bauleuten errichtet. Beispiele solcher Höfe finden sich in Rimsting, in der Umgebung und im Norden des Chiemsees.

Auch im Chiemgau begann das Industriezeitalter mit Bergbau nach Erzen. Es zeugen aber nur mehr die Namen der Orte Eisenärzt, Hammer und Maximilianshütte (Bergen) von dem heute nicht mehr vorhandenen Gewerbe. In Maximilianshütte finden sich allerdings noch Werksgebäude, die unter Denkmalschutz stehen, in Haßlberg bei Ruhpolding ist eine originelle Glockenschmiede zu besichtigen und in Raiten eine Hammerschmiede. Von den Soleleitungen des 17. bis Anfang des 20. Jh., die von Berchtesgaden nach Traunstein und später nach Rosenheim gebaut wurden und von den Salinenbetrieben blieben einzelne Bauwerke, wie zum Beispiel Pumpenhäuser und die Soleleitungswege, erhalten. Neben der Landwirtschaft hat das Handwerk und ein vielseitiges Gewerbe Tradition, was sich an dem Sitz einer Industrie- und Handelskammer in Traunstein dokumentiert. Industrie in wesentlichem Umfang befindet sich heute allerdings nur in den Städten Rosenheim, Traunstein und Traunreut.

Der Fremdenverkehr erlebte im Chiemgau seinen ersten Aufschwung mit Fertigstellung der Bahnlinie Rosenheim — Prien — Traunstein (1860). Vorher bereits (1843) fuhr das erste Dampfschiff auf dem Chiemsee. Die Verbindung zwischen dem Bahnhof Prien und dem Landungssteg der Chiemseeschifffahrt in Stock stellt noch heute (in den Sommermonaten) die älteste in Betrieb befindliche Dampfstraßenbahn Deutschlands her (seit 1887).

Inzwischen ist auch das Straßennetz mit Autobahn, Bundes-, Staats- und Gemeindestraßen hervorragend ausgebaut und trägt der Tatsache Rechnung, dass heute die meisten Gäste mit dem eigenen Pkw anreisen. Seit den Anfängen des Fremdenverkehrs hat sich das Gebiet erheblich entwickelt. Heute bieten fast alle Orte in individueller Weise behagliche Unterkunft, Erholung und Freizeitaktivitäten vom Wandern bis zu ausgefallenen Sportarten. Die große Zahl der Luftkurorte spricht für das gute Klima; Prien am Chiemsee hat sich darunter als Kneippkurort und Bad Endorf als junges Heilbad mit Jod-Thermalquelle etabliert. Das Land bietet auch heute noch genug unbelasteten Erholungsraum. Besonders wertvolle Naturräume stehen unter Naturschutz, u. a. die "Kendlmühlfilzen" und das Geigelsteingebiet.

Auskunft über das Gesamtgebiet: Verkehrsverband Chiemgau, Postfach 1509, 83278 Traunstein, Tel. (08 61) 58223.
Verkehrsverband Chiemsee e. V., Haus des Gastes, 83209 Prien a. Chiemsee, Tel. (0 80 51) 69 05 -35.

Der Chiemgau

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